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Aus dem Leben das Beste machen

Der Verein „Leuchtfeuer“ hat zu Heiligabend mehr als 100 Menschen im „Bären“ bewirten können

Höchster Kreisblatt, 27. Dezember 2013 – Der Verein „Leuchtfeuer“ hat an Heiligabend Alte, Kranke, Einsame und Bedürftige zum Weihnachts-Dinner eingeladen. Fast 100 Gäste sind deshalb nach Höchst ins Restaurant „Zum Bären“ gekommen, um gemeinsam zu feiern.

„Heute geht es uns allen gut“, sagt Wiltrud Pohl an Heiligabend. Durch Krankheit geschwächt, kann sie nur gestützt von ihrem Mann gehen, und auch im Sitzen scheinen ihr die Schmerzen zu schaffen zu machen. Dennoch hat sie es sich nicht nehmen lassen, zu der großen Weihnachtsfeier, die sie seit Jahren organisiert, zu kommen. Wiltrud Pohl kann man ohne zu zögern als eine Art Weihnachtsengel bezeichnen: Seit 2006 stemmt sie mit ihrem Verein „Leuchtfeuer“ die Weihnachtsfeier für arme, kranke, einsame und alte Menschen. Das Restaurant „Zum Bären“ auf dem Höchster Schlossplatz stellt seine Räume dafür jedes Jahr kostenlos zur Verfügung und hilft beim Service; und etliche Spender ermöglichen den rund 100 Gästen ein unvergessliches Fest.

Erstmals am Mittag
„Eigentlich gibt es die Aktion schon seit 20 bis 30 Jahren“, erzählt Pohl. Nachdem die evangelische Kirchengemeinde Höchst das Essen eingestellt hatte, übernahm der Verein, und Pohl ist zufrieden, denn „das Angebot wird freudestrahlend angenommen.“ Erstmals fand die Veranstaltung diesmal am Mittag des Heiligabend statt. Damit wollte der Verein es mehr Menschen ermöglichen, zu kommen. „Eine 77-Jährige hat sich bei mir angemeldet. Die ist ganz allein und kann im Dunkeln nicht alleine gehen.“ Auch die aus anderen Stadtteilen Angereisten waren dankbar für die frühe Uhrzeit. Unter ihnen befanden sich ältere Menschen, Todkranke, Obdachlose oder auch Sozialhilfeempfänger, die sich ein eigenes Fest nicht hätten leisten können oder nicht alleine feiern wollten.

„Gerade an Weihnachten sind viele Menschen besonders einsam“, weiß Wiltrud Pohl. Die Dankbarkeit ihrer Gäste ist die Belohnung für die Bemühungen. Hier kennt sie jeder, umarmt sie zur Begrüßung, und einige überreichen ihr sogar kleine Geschenke.

Spender-Paten gesucht
Geschenke gab es auch für die Kinder. Die Familie Buqa zum Beispiel kommt jedes Jahr. „Dafür verschieben wir sogar unsere Reise zu den Verwandten im Kosovo“, erklärt Mutter Selvete. Ihre Kinder seien mit dem Angebot aufgewachsen und freuen sich jedes Jahr wieder auf das gemeinsame Essen. Viele Kinder, die hier teilnehmen, könnten große Geschenke eigentlich nicht bekommen. „Ein Mädchen wünscht sich zum Beispiel einen Schulranzen“, sagt Pohl, „Sie hat sogar schon Geld dafür gespart.“ Um die Wünsche zu erfüllen, hat Wiltrud Pohl Spender-Paten gefunden. Zu ihnen zählt zum Beispiel Elfriede Fellinger, die ein Paar Turnschuhe besorgt hat. Sie und ihr Mann spenden schon seit Jahren für die Veranstaltung und waren dieses Mal als Premiere auch als Helfer dabei. Aber auch das Essen hätte es nicht gegeben, wenn sich nicht genügend freiwillige Köche gemeldet hätten: Nach dem Aufruf im Höchster Kreisblatt am Dienstag hat sich etwa eine Frau aus Sulzbach gemeldet. Pohl: „Sie hat heute Morgen noch eine große Schüssel Rotkraut gebracht.“ Eine andere Spenderin steuerte drei Kilo Spaghetti, zehn Liter Fleischsoße und fünf Liter Pudding bei.

„Leuchtfeuer“ ist ein gemeinnütziger Verein, der Hilfe zur Selbsthilfe geben möchte. Die Mitglieder setzen sich dafür zum Beispiel an Schulen für soziale Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung ein. Die Weihnachtsfeier ist somit Teil einer ganzen Reihe von Hilfsaktionen. Wiltrud Pohl fasst ihre Motivation so zusammen: „Jeder Mensch hat das Recht, aus seinem Leben das Beste zu machen.“

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Online-Link: http://tinyurl.com/oc2grgj
Autorin: Leona Hinz, Foto: Maik Reuß
Quelle: Höchster Kreisblatt