Gasthaus „Zum Bären“ Zwei Jahrhunderte Gastlichkeit 1799 – 1999
Seit nunmehr zwei Jahrhunderten grüßt die Fassade des Gasthauses „Zum Bären“ die durch das Zolltor in die Stadt eintretenden Besucher und lädt Gäste aus Nah und Fern zur Einkehr und zum Verweilen ein. Viel Wasser ist seitdem den Main hinunter geflossen und wenn auch die Zeit nicht spurlos an Höchst vorübergegangen ist, so scheint sie in der Altstadt doch zumindest langsamer und behutsamer vergangen zu sein. Dies spürt man besonders hier am Schloßplatz, dessen Bebauung mit Bürgerhäusern des 16. – 18. Jahrhunderts sich neben den Resten der Mainzer Zollburg und des Renaissanceschlosses fast unbeeinträchtigt erhalten hat. Mit seiner erst 1799 im klassizistischen Stil errichteten und von einem flachen Giebel gekrönten Fassade dominiert das Gasthaus „Zum Bären“ die nördliche Seite dieses Platzes, in dessen malerisches Ensemble es sich als quasi architekturgeschichtlicher Schlußpunkt gleichwohl harmonisch einfügt.
Die Geschichte des Gasthauses reicht indes weiter zurück, als es sein äußeres Erscheinungsbild und die über der Tür angebrachte Jahreszahl vermuten lassen. So ist schon früher an dieser Stelle eine als „Schwarzer Bär“ bezeichnete Wirtschaft belegt, als deren Wirt Georg Bär anläßlich seines Todes im Jahr 1744 erstmals erwähnt wird. Die für die Zeit nicht ungewöhnliche Namensgleichheit läßt wohl vermuten, daß es eben dieser Georg Bär war, der die Tradition des Gasthauses „Zum Bären“ am Höchster Schloßplatz begründete, wobei dies durchaus schon einige Jahre zuvor und möglicherweise durch Übernahme einer bereits bestehenden Wirtschaft erfolgt sein kann. Ebenfalls im Jahr 1744 heiratet Anna Dorothea Bär, wohl eine Tochter des ersten Bärenwirts,Stephan Siebenborn und bereits 1745 wird dieser in den Quellen anstelle seines verstorbenen Schwiegervaters als Wirt im Haus „Zum Bären“ genannt. Aus unbekannten Gründen verläßt er das Haus jedoch bereits im darauffolgenden Jahr, denn in den Quellen wird Stephan Siebenborn fortan und bis zu seinem Tod im Jahre 1766 als Wirt im „Karpfen“ bezeichnet. Sein Grabdenkmal befindet sich heute im Zollgärtchen an der Südseite des Schloßplatzes - man sieht die barocke Stele aus Sandstein mit dem Kruzifix gleich links vom Eingang inmitten der Staudenpflanzung.
Von den Jahren von 1750 bis 1767 war Michael Biener Bärenwirt und wohl in dieser Zeit erfolgte auch ein größerer Umbau des Hauses. Ein Keller wurde 1760 erweitert und ein weiterer neu errichtet, was mit ebenfalls umfangreicheren Veränderungen am Haus selbst einhergegangen sein muß. Es sind insgesamt nicht weniger als fünf dieser teils mächtigen Gewölbe unter dem Haus „Zum Bären“ erhalten. Sie stammen alle aus unterschiedlichen Bauperioden und dokumentieren somit eine komplexe und in ihren Abläufen nur schwer zu rekonstruierende Baugeschichte, die jedoch sicher bis in das 17. oder gar 16. Jahrhundert zurückreichen dürfte.
Über zwei Generationen hinweg bestimmte dann die Familie Huber die Geschicke des Hauses bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts - jene Zeit, welcher der „Bären“ sein äußeres Erscheinungsbild verdankt. Die heutige Innenausstattung der Gasträume, d.h. die gewölbte Holzdecke und die Wandvertäfelungen, entstammen einem Umbau des Jahres 1908, aus dem auch das heutige Nebenzimmer durch Vereinigung von zwei separaten Kollegräumen hervorging. Es trat damit an die Stelle eines Saales mit eigener Bühne im ersten Obergeschoß, dessen Kapazität (300 Personen !) trotz der zahllosen Vereinsgründungen des 19. Jahrhunderts wohl nie ganz ausgelastet war.
Der Ausschank selbstgebrauten Bieres ist leider Vergangenheit und auch der letzte Bembel selbstgekelterten Apfelweins wurde schon vor langer Zeit aus dem Keller geholt - die Zeiten ändern sich eben auch im alten Höchst. Bei all dem blickt das Gasthaus „Zum Bären“ aber auf eine lange und seit mehr als zwei Jahrhunderten ungebrochene Tradition als Ort der Gastlichkeit zurück. Heute wie damals gilt das Bemühen der Bärenwirte ihren Gästen und deren Wohlergehen und das soll sich auch in Zukunft nicht ändern!
Postkarte
um 1910

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